1. September2010
Den eigenen Aufenthaltsort frei wählen und sich ungehindert bewegen zu können, gehört zu den elementaren Menschenrechten. Diese Freiheit ist unerlässlich für die Pflege sozialer Kontakte, den Genuss von Kultur oder die freie Religionsausübung. Dementsprechend regelt das Grundgesetz: »Alle Deutschen genießen Freizügigkeit im ganzen Bundesgebiet«.
FlĂĽchtlingen, die in Deutschland um Asyl ersuchen mĂĽssen, wird dieses Recht verwehrt – ein in der EU einmaliger Missstand. Asylbewerberinnen und Asylbewerbern ist das Verlassen des Landkreises, in dem sich die fĂĽr sie zuständige Ausländerbehörde befindet, unter Androhung von Strafe untersagt. Diese »Residenzpflicht« schränkt Menschenrechte ein! FlĂĽchtlinge werden durch sie gedemĂĽtigt, kriminalisiert und sozial isoliert. In Sachsen sind davon insgesamt 4.239 Personen betroffen (1.673 mit Gestattung, 2.566 mit Duldung – Quelle: Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE im Bundestag 17/2261)
Wer aus seinem Heimatland fliehen muss, trägt daran oft keine Schuld. Er ist Opfer von politischer, religiöser, ethnischer, geschlechtsspezifischer Verfolgung oder von Umwelt- oder Naturkatastrophen. Wir meinen: Menschenrechte gelten auch für Flüchtlinge! Deshalb fordern wir mit einem Antrag die Abschaffung der »Residenzpflicht«. Es wird dazu demnächst eine ExpertInnen-Anhörung im Innenausschuss stattfinden. Die Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag wird dafür eine Sondersitzung anberaumen, damit das Thema schnell auf die Tagesordnung kommt.
FĂĽr ein wĂĽrdevolles Leben fĂĽr Alle.
Kategorie/n: Inneres, Migration
26. August2010
Ihren diesjährigen Fraktionsjugendtag veranstaltet die Landtagsfraktion der LINKEN am kommenden Sonnabend, dem 28. August 2010, zusammen mit interessierten Jugendlichen von 11 bis 18 Uhr in den Räumen der Fraktion in der 4. Etage des Sächsischen Landtags.

Nach der Eröffnung durch den Fraktionsvorsitzenden Dr. AndrĂ© Hahn werden den Jugendlichen zehn Workshops zur Auswahl angeboten: Jugend und Umwelt (Leitung: MdL Dr. Jana Pinka), Jugend und Mobilität, Sozialökologischer Stadtumbau (MdL Enrico Stange), Kinder- und Jugendbeteiligung (MdL Klaus Bartl), Gleichstellungsfragen (MdL Heike Werner), Hochschule und Studium (Prof. Dr. Peter Porsch), Wie steht’s um die Bildung in Sachsen? (MdL Cornelia Falken), Antifaschistische Politik – zwischen Recherche und Blockade (MdL Kerstin Köditz, MdL Freya-Maria Klinger), Freiheit stirbt mit Sicherheit (MdL Rico Gebhardt), Politik & Internet (MdL Julia Bonk), Jugendverbände und Ehrenamt (MdL Annekatrin Klepsch).
Um 13 Uhr steht eine Führung durch den Landtag auf dem Programm, ehe um 14 Uhr Zeit für’ s Mittagessen ist. Danach folgt Workshop-Runde II, ab 16 Uhr die Ergebnisvorstellung und eine Fishbowl-Diskussion. Abgerundet wird das ganze durch ein Konzert ab 16.30 Uhr.
weitere Informationen unter: www.linksfraktionsachsen.de
Kategorie/n: Allgemein
25. August2010
nachfolgend möchte ich auf die morgige Demonstration unter der Motto NAZITERROR STOPPEN! aufmerksam machen:

Spontandemo am 26.08., 18:30 Uhr, Puschkinplatz, Dresden
Z w e i Brandanschläge innerhalb einer Woche auf alternative
Wohnprojekte in Dresden
In der Nacht zum 19. August versuchten bisher Unbekannte das Wohnprojekt „Praxis“ in Dresden-Löbtau in Brand zu stecken. An einem Fenster im Erdgeschoss wurde das Feuer gelegt, im Zimmer schlief in dieser Nacht allerdings niemand. Nur diesem glücklichem Umstand, der schnellen Reaktion der Hausbewohner_innen und der Alarmierung der Feuerwehr durch Nachbar_innen, ist es zu verdanken, dass keine Verletzten zu beklagen sind. Die Flammen konnten erst nach der Evakuierung des Hauses durch die Feuerwehr gelöscht werden. Die „Praxis“ steht bereits seit längerem im Fokus der lokalen Naziszene und wurde mehrfach angegriffen. Nur wenige Tage zuvor wurde mit einer Mülltonne ein Fenster eingeworfen, im Zusammenhang mit dem 13. Februar versuchte eine Nazigruppe das
Hausprojekt zu attackieren.
Am frühen Morgen des 24. August warf ein unbekannter Mann einen Molotow-Cocktail in ein Fenster des antirassistischen Wohnprojekts RM16 in Dresden-Pieschen. Nur dem Zufall war es zu verdanken, dass der Brandsatz nicht zerbrach. Die Person, die im Zimmer schlief, konnte so das Feuer rasch löschen. Die RM16 ist schon seit Jahren im Visier von Nazis. Mehrfach wurden Scheiben eingeworfen und Versuche unternommen in das Haus einzudringen. Seit einigen Monaten kursieren Nazi-Aufkleber, die dazu aufrufen die RM16 anzugreifen.
Z e h n Brandanschläge in Sachsen seit Jahreswechsel
Diese Angriffe reihen sich nahtlos in eine Serie von Brandanschlägen in Sachsen ein. Die Ziele sind dabei entweder nach rassistischen Kriterien ausgewählt oder Projekte und Personen, die dezidiert nicht-rechts oder antifaschistisch auftreten – also diejenigen, die in Augen der Nazis als Feinde zu bekämpfen sind. Die Nazis wollen die Betroffenen einschüchtern, ihnen die Existenzgrundlage rauben und sie so vertreiben bzw. politisch ruhig stellen. Menschenleben zählen ihnen dabei nichts,
mit Brandanschlägen auf Wohnhäuser nehmen sie Tote billigend in Kauf.
S o l i d a r i t ä t ist eine Antwort
Diese Angriffe dürfen nicht unbeantwortet bleiben. Sie dürfen nicht ignoriert werden und auch nicht klein geredet. Sie sind Angriffe auf Leib und Leben. Sie müssen verhindert werden, sei es durch antifaschistische Selbsthilfe, gesellschaftliche Ächtung, Antidiskriminierungsarbeit, Umwälzung der Verhältnisse. Jeder Schritt zählt. Bis dahin gilt es die Betroffenen zu unterstützen, auch und gerade diejenigen, die keine Lobby haben, die nicht auf breite Unterstützung hoffen können. Zeigen wir ihnen unsere Solidarität, lassen wir den Täter_innen keine Ruhe, greifen wir gesellschaftliche Zustände an, wo sie die Freiheit zu leben bedrohen!
Als Anfang: Demonstration am 26. August. Auf gehts, ab gehts!
Kategorie/n: Allgemein, Antifa
20. August2010
Gestern fand im Innenausschuss des Sächsischen Landtages eine Anhörung über eine mögliche Kennzeichnungs- und Ausweisungspflicht der Polizeibediensteten statt.
Von den acht anwesenden Sachverständigen stimmten vier den Vorgeschlagenen Neuerungen zu. Die vier anderen – Vertreter von Polizei und deren Gewerkschaften – lehnten sie ab.Das ist symptomatisch fĂĽr das Dilemma der Debatte: Viele Menschen, die bei der Polizei arbeiten, halten eine namentliche Vorstellung des Beamt_innen und gegenĂĽber den von ihnen kontrollierten BĂĽrger_innen fĂĽr eigentlich sinnvoll, haben aber Angst, weil die Daten ihres Wohnortes bei Bekanntgabe des Namens zu leicht bei Behörden abgefragt werden könnten, woraus sich Risiken ergäben. Dieses Problem kann aber durch Verbesserung des Datenschutzes in der Verwaltung gelöst werden – hier erwarte ich, dass die mit innerer Sicherheit befassten CDU-Landespolitiker mit ihren Parteifreunden, die in Sachsen ganz ĂĽberwiegend auch auf kommunaler Ebene Verantwortung tragen, Konsequenzen ziehen.
So berichtete Charles von Denkowski, Geschäftsführer einer polizeiwissenschaftlichen Consultingfirma und ehemaliger Polizist, aus eigener Erfahrung und äusserte sich pro Kenntlichmachung durch Namens- bzw. Nummernschlid. Dies Kennzeichnung böte den Beamtinnen und Beamten ausserdem auch eine Schutzfunktion, unter anderem könnten so auch unberechtigte Vorwürfe leichter aufgeklärt werden.
Die Polizei genießt zu Recht in der Bevölkerung ein im Vergleich zu anderen Berufsgruppen hohes Ansehen, es geht daher beim Thema Kennzeichnungspflicht weder um einen Generalverdacht noch eine Vorverurteilung von Polizistinnen und Polizisten. Sondern es geht um eine Beziehung auf gleicher Augenhöhe zwischen Bürgerinnen mit und ohne Uniform – wer mich nach meinem Namen fragen darf, sollte auch selbst sagen, wer er oder sie ist.
Mein Kollege Rico Gebhardt, Innenpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion, schlug vor, die Kennzeichnungs- bzw. Namenspflicht in einem wissenschaftlich begleiteten Pilotversuch im Bereich einer Polizeidirektion einzufĂĽhren. Er baue auf den Abbau von Ă„ngsten durch konkrete Erfahrungen. “Denn mir kann niemand sagen, wieso es seit Jahrzehnten selbstverständliche Praxis in New York ist, dass sich Polizisten namentlich vorstellen, dies aber z.B. in Dresden oder Leipzig nicht möglich sein soll.”
Kategorie/n: Allgemein, Inneres