Landtag
Hier eine Ăbersicht ĂŒber meine bisherigen Schwerpunkte in der parlamentarischen Arbeit im 4. SĂ€chsischen Landtag
Mitbestimmung Kinder und Jugendlicher/ Absenkung des Wahlalters
Die Forderung nach einem Wahlrecht ab Geburt und nach mehr Beteiligungsmöglichkeiten fĂŒr Kinder und Jugendliche ist schon lange in der politischen Diskussion. DIE LINKE. setzt sich schon seit einiger Zeit fĂŒr eine Absenkung des Wahlalters und die Schaffung gesetzlicher Grundlagen fĂŒr die umfassende Partizipation junger Menschen ein. Die Beschneidung des Grundrechts auf WĂ€hlen sollte endgĂŒltig der Vergangenheit angehören.
FĂŒr die politische Willensbildung sind Kenntnisse der politische Ordnung sowie der gesellschaftlichen Entwicklung Vorraussetzung. Daher sollten bereits im Grundschulalter politische Bildungsangebote sowohl in der Schule als auch auĂerschulisch angeboten werden. Neben den AmtsblĂ€ttern und Ă€hnlichem sollten möglichst viele politische Publikationen, zum Beispiel auch Wahlprogramme der politischen Akteure, altersgerecht aufgearbeitet werden.
Begleitend zur Forderung nach der Absenkung des Wahlalters sind daher verstĂ€rkt MaĂnahmen der politischen Bildung im kinder- und Jugendbereich zu fördern.
Mit unserem Gesetzentwurf haben wir 2006 den Versuch unternommen, eine gesetzlichen Regelungen fĂŒr Sachsen zu schaffen, damit das Wahlalter gesenkt und Kinder und Jugendliche umfangreiche Möglichkeiten zur Beteiligung erhalten können.
Auch die Anhörung hat gezeigt, dass sich unser Gesetzentwurf einer höchst aktuellen Frage von grundsÀtzlich demokratiepolitischem Gewicht stellt.
Von der Mehrheit der Gutachter wurde uns bescheinigt, mit unserem komplexen Herangehen auf dem richtigen Weg zu sein. Insbesondere die Expertin aus Niedersachsen, vormals Justizministerin dieses Landes, und der Experte aus Nordrhein-Westfalen, ehemaliger Kinderbeauftragter der dortigen Landesregierung â beides zwei von fĂŒnf BundeslĂ€ndern, in denen das Wahlalter 16 in den Kommunen bereits Rechtslage und Wahlpraxis ist â, haben uns ausgesprochen bestĂ€rkt, hier unbedingt und entschlossen am Ball zu bleiben, damit Kinder und Jugendliche nicht weiter zu âBĂŒrgern zweiter Klasseâ degradiert werden und ihnen nicht lĂ€nger versagt wird, durch Wahlhandlung oder in gewĂ€hlten Ămtern selbst darauf Einfluss zu haben, dass ihre originĂ€ren Interessen in Landes- und Kommunalpolitik mehr Beachtung finden. Leider wurde unser Gesetzentwurf nach einer kontroversen Debatte abgelehnt.
Kinder- und Jugendhilfe
Die Kinder- und Jugendarbeit in Sachsen muss dauerhaft auf eine sichere und verlĂ€ssliche Grundlage gestellt werden. Einer kontinuierlichen Arbeit basiert auf einer langfristigen, sicheren und bedarfsgerechten Finanzierung. Hier gibt es vor allem im lĂ€ndlichen Raum groĂen Aufholbedarf.
Im Landtag setzt sich die LINKE immer wieder fĂŒr eine Verbesserung der Kinder- und Jugendarbeit mit verschiedensten AntrĂ€gen ein. Beispielsweise fordern wir eine flĂ€chendeckende Schulsozialarbeit an Mittel- und Förderschulen. Damit könnte das Nebeneinander von Schule und Jugendhilfe ĂŒberwunden werden und die Jugendhilfestrukturen im lĂ€ndlichen Raum wĂŒrden gestĂ€rkt.
Aber auch Unkonventionelles ist vorstellbar, so sollte es in lĂ€ndlichen Gebieten nicht nur mobile Angebote der Jugendarbeit geben, sondern bspw. auch kostenfreie âJugendbusseâ, die Jugendliche zu einer Jugendeinrichtung im Ballungszentrum hin-, und vor allem aber auch abends wieder nach Hause bringen. Dergleichen gibt es derzeit nur bei kommerziellen Angeboten.
Vielen jungen Menschen in Sachsen, vor allem aus einkommensschwachen Familien, ist es nicht möglich an Ferienfahrten teilzunehmen. Wir betrachten dies aber als wichtige Erfahrung und eine Möglichkeit des sozialen und kulturellen Lernens, daher haben wir mehrmals die WiedereinfĂŒhrung einer Förderung fĂŒr Ferienfreizeiten gefordert.
Die LINKE stellt sich gegen eine VerschĂ€rfung des Jugendstrafrechts. JugendkriminalitĂ€t kann man nicht mit dem Bau neuer GefĂ€ngnisse oder StrafverschĂ€rfungen bekĂ€mpfen, sondern wir benötigen auch hier mehr Bildung und Freizeitangebote, eine intensivere pĂ€dagogische Betreuung, frĂŒhzeitige Intervention und eine Ermittlungspraxis, die gewĂ€hrleistet, dass straffĂ€llig gewordene Jugendliche unverzĂŒglich erzieherische Reaktionen erfahren. Die LINKE hat daher einen eigenen Entwurf fĂŒr ein Jugendstrafvollzugsgesetz eingebracht.
Die Situation im Land Sachsen ist nicht zufrieden stellend. Wir werden uns daher auch in der nĂ€chsten Legislaturperiode fĂŒr Verbesserungen in der Kinder- und Jugendarbeit einsetzen.
Ausbildung
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich in diesem Jahr zwar leicht verbessert, allerdings ist dies vor allem dem demographischen Wandel geschuldet. Die Auswirkungen der Finanzkrise und der damit verbundenen Rezession sind auf dem Ausbildungsmarkt noch nicht angekommen. Dies wird sich erst im Ausbildungsjahr 2010/ 2011 bemerkbar machen. Dazu ist es aber schon jetzt notwendig, entsprechende Vorkehrungen zu treffen.
Seit Beginn der Legislatur setze ich mich kontinuierlich fĂŒr eine Verbesserung der Situation am Ausbildungsmarkt ein. Dabei hat der Erhalt und Ausbau des dualen Berufsausbildungssystems oberste PrioritĂ€t. Im Landtag hat meine Fraktion eine Vielzahl von AntrĂ€gen gestellt. Durch die groĂe Anfrage zur Lehrstellen- und Ausbildungssituation im Freistaat Sachsen konnten wir uns einen genauen Ăberblick ĂŒber die Lage verschaffen. ErgĂ€nzend dazu habe ich viele kleine Anfragen gestellt. Mit mehreren AntrĂ€gen haben wir versucht, die Staatsregierung zum Handeln auf dem Gebiet der Ausbildung zu bewegen. Denn leider sind die BemĂŒhungen der Staatsregierung von keinem groĂen Erfolg gekrönt.
Die LINKE setzt sich fĂŒr die EinfĂŒhrung einer Ausbildungsplatzumlage ein, um einen gerechten Ausgleich zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Unternehmen zu erreichen.
Ich möchte, dass jede/r Jugendliche den Beruf erlernen und ergreifen kann, den er oder sie sich wĂŒnscht. Aber eine gute Ausbildungspolitik muss den Strukturwandel der Wirtschaft mit berĂŒcksichtigen. Es muss eine konsequente Förderung der AusbildungsplĂ€tze erfolgen, in denen auch die Möglichkeit der Arbeitsaufnahme in Sachsen besteht. Wir können es uns nicht leisten, AusbildungsplĂ€tze zu fördern, bei denen die fertig Ausgebildeten in die Arbeitslosigkeit entlassen werden oder in andere BundeslĂ€nder abwandern und damit oft fĂŒr immer Sachsen den RĂŒcken kehren.
Pflegekinder und -familien
Die Situation von Pflegefamilien ist in Sachsen wie in den meisten BundeslĂ€ndern schwierig. Durch den hohen persönlichen Einsatz können Pflegeeltern den Kindern zumindest einen Teil des Schutzes, der Geborgenheit UnterstĂŒtzung und Hilfe zukommen lassen, der ihnen im hĂ€uslichen Umfeld fehlte.
Das Leben gestaltet sich fĂŒr diese Kinder so angenehmer und hilfreicher als ein Aufenthalt in einem Heim.
Wir sind auf das Engagement der Pflegeeltern angewiesen. Leider gibt es derzeitig keine ausreichenden gesetzlichen Regelungen, die die UnterstĂŒtzung von Pflegeeltern und Pflegekindern regelt. So benötigen die Pflegefamilien einen einheitlichen Katalog von UnterstĂŒtzungsleistungen, auf die sie dann auch einen Rechtsanspruch haben. Die meisten Menschen, die sich bereit erklĂ€ren ein Pflegekind aufzunehmen, wissen gar nicht, welche Möglichkeiten es gibt.
Auch deshalb werden viele PflegeverhĂ€ltnisse vorzeitig beendet. Dies liegt einerseits an der oft als mangelhaft angesehenen Beratung durch die JugendĂ€mter und andererseits an den groĂen VerhaltensauffĂ€lligkeiten, die Pflegekinder oft aufweisen.
Um diese Situation wenigstens ein bisschen zu verbessern, hat die Linksfraktion auf meine Initiative einen Antrag in den Landtag eingebracht, der die Situation der Pflegefamilien verbessern soll. Auch wenn es in der zurĂŒckliegenden Legislaturperiode nicht gelungen ist, werde ich mich in den nĂ€chsten Jahren weiter fĂŒr eine Verbesserung einsetzen.
Drogen- und Suchthilfe
Im sĂ€chsischen Suchthilfesystem gibt es starke Defizite im Bereich der Ăberlebenshilfe, speziell bei Gesundheitsversorgung und Wohnsituation DrogenabhĂ€ngiger. Das System der Suchtberatungs- und Behandlungsstellen ist in Gefahr und wir benötigen eine langfristige Sicherung der Personalstellen und einen konsequenten Ausbau der Suchthilfeeinrichtungen vor allem in den lĂ€ndlichen Gebieten Sachsens.
Davon habe ich mich bei Besuchen in den verschiedenen Suchthilfeeinrichtungen (Suchtberatungs- und Behandlungstellen, Suchtkliniken, therapeutische Einrichtungen) in Sachsen informiert. Auf diesen Erfahrungen aufbauend hat die Linksfraktion eine GroĂe Anfrage zum Thema âSituation der Drogenhilfe in Sachsenâ an die Staatsregierung gestellt. Eine öffentliche Anhörung der Antworten folgte. Dabei forderten die SachverstĂ€ndigen eine verstĂ€rkte Vernetzung zwischen Jugendhilfe und Suchthilfe und eine EntbĂŒrokratisierung bei der Finanzierung. BestĂ€rkt durch die Meinung der Experten forderte die Linksfraktion Tandemprojekte zwischen Jugendhilfe und Suchtkrankenhilfe, die nicht an der Trennung zwischen Geldtöpfen und Institutionen scheitern dĂŒrfen.
PrĂ€vention nach dem GieĂkannen-Prinzip, wie sie in Sachsen seit Jahren allgemein und hochschwellig betrieben wird, ist nicht sinnvoll und effizient und muss dringend durch Risikogruppenspezifische FrĂŒhintervention ersetzt werden. Nur wenn wir die Mittel und Projekte der Suchthilfe frĂŒhzeitig ansetzen und vielfĂ€ltiger verteilen, kann Sachsen zu einem leistungsfĂ€higen Suchthilfesystem kommen. Sachsen braucht mehr Pluralismus in der Suchthilfelandschaft, lebensnahe und niedrigschwellige PrĂ€ventions- und Hilfsangebote, nicht erst wenn das Stadium der chronischen MehrfachschĂ€digung erreicht ist. Dass die Zahlen in diesem Bereich weit ĂŒber dem Bundesdurchschnitt liegen, zeigt, dass die politischen PrĂ€missen der bisherigen sĂ€chsischen Politik falsch gesetzt und mit bestehenden Konzepten zu wenig HilfebedĂŒrftige erreicht werden.
Wir werden auch weiterhin gemeinsam mit den Einrichtungen der Suchthilfe, deren Arbeit wir sehr schĂ€tzen, fĂŒr einen Paradigmenwechsel in der sĂ€chsischen Suchthilfepolitik kĂ€mpfen. Wenn die Staatsregierung nicht bald aufwacht, werden auf unsere sozialen Sicherungssysteme in den nĂ€chsten Jahren riesige Belastungen und Probleme zu kommen, weil die Schwere der Suchterkrankungen und FolgeschĂ€den durch verfehlte Politik weiter steigen.
Linke Drogen-und Suchtpolitik ist Sozialpolitik. Eine repressive, allein rechtspolitische Ausrichtung lehnen wir ab und setzten uns fĂŒr eine Entkriminalisierung ein. Um einen verantwortungsvollen und selbstbestimmten Umgang mit Drogen zu ermöglichen braucht es AufklĂ€rung statt Verbote und Tabuisierung.
Antifaschismus
Auch auf dem Gebiet Antifaschismus hat die Linksfraktion im SĂ€chsischen Landtag einiges bewegen können. Neben den monatlichen Abfragen zur Entwicklung rechter Straftaten, AntrĂ€gen zur finanziellen Aufstockung des Programmes “Weltoffenes Sachsen” und der GroĂen Anfrage zum Thema “Die Extreme Rechte in Sachsen und gesellschaftliche Strategien fĂŒr deren ZurĂŒckdrĂ€ngung” sowie der parlamentarischen Begleitung vielfĂ€ltigster antifaschistischer und antirassistischer Initiativen und Aktionen, wie zum Beispiel der Kundgebungen zum 13. Februar in Dresden, lag mein persönlicher Schwerpunkt auf diesem Gebiet in der auĂerparlamentarischen Arbeit, bei der UnterstĂŒtzung verschiedenster Kampagnen und Initiativen gegen Nazi-AktivitĂ€ten und -lĂ€den, sowie bei der Anmeldung zahlreicher Kundgebungen und Demonstrationen.



